171204 PM Ehrenamt

Zum Tag des Ehrenamts: Freiwillige Helfer in der Kinderhospizarbeit sind StĂŒtze der Palliativversorgung in Deutschland

Irgendwie scheinen die Tage von Ute Kaiser mehr Stunden zu haben als die anderer Menschen. Die 57-JĂ€hrige lebt in einer kleinen Gemeinde bei Bad Krozingen, im Ă€ußersten SĂŒdwesten Deutschlands. Ihr Zuhause teilt sie derzeit mit Unmengen an Kartons und Kisten, die sich sogar bis in ihre KĂŒche stapeln: denn Ute Kaiser setzt sich mit voller Energie ehrenamtlich fĂŒr die Kinderhospizarbeit in Deutschland ein.
„Hier sortiere ich gerade Spiele, die dem Bundesverband Kinderhospiz gespendet wurden“, erklĂ€rt sie und rĂ€umt eifrig Schachteln hin und her. „Diese Sachspenden sollen Familien zu Gute kommen, die ein lebensverkĂŒrzend erkranktes Kind haben. Ich gebe sie gegen Spenden bei verschiedenen Adventsbasaren ab.“ UnermĂŒdlich tritt Ute Kaiser fĂŒr den BVKH in Erscheinung, macht auf die schwierige Lage der Betroffenen aufmerksam, wirbt fĂŒr UnterstĂŒtzung und VerstĂ€ndnis, sammelt Spenden.
Ohne Menschen wie Ute Kaiser wĂ€re die Kinderhospizarbeit in Deutschland schlicht nicht zu leisten: die vielen Tausende Ehrenamtlichen, die sich in ambulanten Diensten oder stationĂ€ren Einrichtungen oder eben auf Ebene des Dachverbands engagieren, tragen das System der palliativen Versorgung. Dabei gibt es natĂŒrlich leichtere Jobs. „Es macht mich oft traurig, sogar wĂŒtend, wenn ich mitbekomme, wie die Menschen wegschauen“, berichtet Ute Kaiser. FĂŒr den Bundesverband Kinderhospiz wird sie oft in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv. Sie ist bei Messeauftritten dabei und bei InfostĂ€nden – und kennt die Kommentare derjenigen, denen das Thema zu schwer ist. „Dabei kann es fĂŒr jeden von uns so schnell anders sein.“ Betroffen macht sie, miterleben zu mĂŒssen, wie Familien mit einem unheilbar kranken Kind sozial ausgegrenzt werden. Um ganz direkt mit den Betroffenen in Kontakt zu sein, hat Ute Kaiser ein Praktikum bei dem stationĂ€ren Kinderhospiz “Sterntaler“ in Dudenhofen gemacht. „Das hat mich sehr stark geprĂ€gt, die unglaubliche Liebe und Achtsamkeit, mit der das Personal nicht nur den kranken Kindern begegnet, sondern auch den Familien und untereinander“, sagt Kaiser. Deshalb hat sie nun auch noch die Zusatzqualifikation erworben, mit der sie als ehrenamtliche Betreuerin ambulante Kinder- und Jugendhospizarbeit leisten darf. Auf ihren ersten Einsatz bei einer Familie freut sie sich, gleichzeitig ist es sehr aufregend: „ich begegne den Betroffenen mit unwahrscheinlichem Respekt!“

„Die ehrenamtlichen Mitarbeiter sind eine SĂ€ule der Kinderhospizarbeit“, weiß auch Sabine Kraft, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin des Bundesverbands Kinderhospiz. „Sie leisten unschĂ€tzbare Hilfe, fĂŒr die wir alle sehr dankbar sind.“ Gerade in Zeiten, in denen es so hektisch zugehe und viele eben nicht mehr die ‚Oma‘ oder den ‚Opa‘ um die Ecke hĂ€tten, in denen die Arbeit immer grĂ¶ĂŸeren Raum einnehme und jeder mit sich selbst beschĂ€ftigt sei, seien Ehrenamtliche unverzichtbar, so Kraft: „NatĂŒrlich ersetzen wir damit keine Fachaufgaben, aber Anpacken, Zuhören, Aufmerksam machen, Spielen, Vorlesen
 es gibt unzĂ€hlige Möglichkeiten, sich einzusetzen. Beim Bundesverband wird beispielsweise das OSKAR Sorgentelefon ĂŒberwiegend von ehrenamtlichen Mitarbeitern getragen“, berichtet Kraft. Als Telefonberater wurden die Ehrenamtlichen professionell geschult, nun ist immer einer von ihnen, 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter der OSKAR-Nummer 0800 8888 4711 erreichbar. Auch die Weihnachtspaket-Aktion des BVKH, bei der Hunderte Familien und Kinderhospize mit wunderbaren Sachspenden beschert werden, ist nur mit Hilfe von Ehrenamtlichen zu stemmen. „Ihnen gebĂŒhrt unsere grĂ¶ĂŸte Hochachtung und WertschĂ€tzung“, so Kraft.

Ute Kaiser belĂ€dt derweil das Auto ihrer Tochter. Sie ist „ein bisschen stolz“, den Sinn fĂŒr soziale Verantwortung offenbar an ihre Kinder weiter gegeben zu haben: ihre Familie unterstĂŒtzt ihren Einsatz fĂŒr die Kinderhospizarbeit voll und ganz. „Mir macht das einfach richtig Spaß!“, lacht sie. Durch ihren Beruf ist Kaiser zu dem Thema Sterbebegleitung gekommen: als Krankenschwester ist sie als Wohnbereichsleitung in der Altenpflege tĂ€tig. Doch privat und ehrenamtlich, an ihren freien Tagen, setzt sie sich fĂŒr junge Patienten ein. „Hospizarbeit fĂŒr Erwachsene ist ganz anders als die mit Kindern“, berichtet sie, „es werden ja nicht nur die Kranken, sondern auch die Angehörigen betreut. Ich möchte einfach denen helfen, die Hilfe brauchen“, fasst Kaiser zusammen.

Am 5. Dezember ist Tag des Ehrenamts. Zumindest fĂŒr diesen einen Tag wĂŒnscht sich Ute Kaiser: „Helfen kann und sollte jeder. Aber noch wichtiger ist: nicht wegschauen!“

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