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Gut informiert nicht nur für den Ernstfall - Bundesverband Kinderhospiz bietet bundesweit Vorträge für Fachpersonal und Schulen an

„Wie fühlen sich Eltern wohl, die wissen, dass ihr Kind unheilbar krank ist? Was brauchen sie?“ Sehr schwierige Fragen. Besonders, wenn die Gefragten ungefähr 16 Jahre alt sind und mit dem Thema „Kinderhospizarbeit“ noch nie etwas zu tun hatten. Marion Werner vom Bundesverband Kinderhospiz steht vor den Zehntklässlern einer Realschule im Schwarzwald und führt an das Tabuthema heran. „Es gibt über 40.000 Betroffene in Deutschland“, sagt Werner den Schülern, „das hört sich zunächst gar nicht viel an. Und diese Familien sieht man oft auch gar nicht so, weil sie in einer ganz eigenen Welt leben“. Sie zeigt den Schülern zum Einstieg einen Film über die neunjährige Antonia, die an SMA leidet. Nun wird klar, was es für eine ganze Familie bedeutet mit einer schweren Diagnose und ohne Hoffnung auf Heilung leben zu müssen. In Gruppenarbeit nehmen die Jugendlichen anschließend verschiedene Perspektiven ein, denken sich in die Welt der Geschwisterkinder, des kranken Kindes oder seiner Eltern hinein.

„Es ist immer wieder toll zu sehen, wie schnell Kinder und Jugendliche mit der ihnen eigenen Empathie begreifen, was betroffenen Familien gut tun würde“, sagt Marion Werner, die jahrelang selbst ein stationäres Kinderhospiz in Thüringen leitete. Nun ist sie für den Bundesverband Kinderhospiz in ganz Deutschland unterwegs und betreibt Aufklärungs- und Informationsarbeit. „Bei uns gibt es sehr gut ausgebildetes Fachpersonal, das mit Kindern arbeitet. Und doch sind viele der Lehrer/innen oder Erzieher/innen nicht gut für den Ernstfall vorbereitet, den Tod oder die unheilbare Erkrankung eines Kindes“, weiß Werner. Der Bundesverband hat ein vielfältiges Angebot von Informations- und Fortbildungsveranstaltungen, die alle zum Ziel haben, dem Thema den Schrecken zu nehmen und konkrete Hilfen an die Hand zu geben.

Bei den Zehntklässlern heute geht es auch darum, das Bewusstsein dafür zu wecken, was Kinderhospizarbeit eigentlich ist: „Die meisten Menschen assoziieren mit ‚Hospiz‘ sofort ‚Sterben‘“, weiß Werner. „Doch Kinderhospize sind Orte, an denen sich die Familien erholen können, an denen sie gemeinsam Kraft schöpfen“. Ein Aufenthalt in einem Kinderhospiz ist nicht die letzte Station, sondern eine Ruhepause im anstrengenden Alltag – auch die Schwarzwälder Schüler haben das nicht gewusst. „Über die Fragen, die wir uns heute gestellt haben – was brauchen die Betroffenen – denken wir in den Kinderhospizeinrichtungen sehr sorgfältig nach“, so Werner. „Deshalb gibt es auch so viele wertvolle Hilfsangebote, die genau zur Situation und zum Bedarf der Familien passen“.

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Marion Werner legt den Schülern auch das OSKAR Sorgentelefon ans Herz. Diese einzigartige Hotline ist rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr erreichbar, kostenfrei und anonym. OSKAR beantwortet alle Fragen rund um das Thema Kinderhospizarbeit und kann den Anrufenden auf Wunsch hilfreiche Kontaktadressen in ihrer Region vermitteln.

Die vielen Fragen der Zehntklässler beantwortet Marion Werner allerdings gleich hier und sofort. Sie freut sich, dass das vermeintlich schwere Thema nicht abzuschrecken vermochte: „Heute wurde ich auch nach den Berufsfeldern in der Kinderhospizarbeit gefragt. Offensichtlich ist angekommen, wieviel Freude dieses Aufgabengebiet macht und wie wichtig es ist - ein sehr schönes Zeichen!“

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